PM: IS-Terrorist weder Alevite noch Kurde!

Wien, 07.03.2019

Mit großer Enttäuschung und Verwunderung haben wir die mediale Berichterstattung über den IS Kämpfer mit österreichischer Staatsbürgerschaft verfolgt. Immer wieder wurde auf die ethnischen und religiösen Wurzeln der Familie hingewiesen und dass es sich um eine kurdisch alevitische Familie handle. Die Familie des IS Kämpfers ist weder einer alevitischen Glaubensgemeinde bekannt oder in der Glaubensgemeinde tätig. Sie hat Anzeige gegen ihren Sohn erstattet hat. Wir möchten aus diesem Anlass folgende Klarstellung vornehmen:

Wir als Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI) bekunden unsere vollste Solidarität mit dem syrischen Volk auf seinem Weg in Richtung Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit. Allerdings braucht Syrien in keiner Weise bewaffnete Kämpfer aus Europa oder aus irgendeinem anderen Land. In Syrien muss endlich Friede einkehren und der Krieg beendet werden.

Die Angehörigen der Alevitischen Glaubenslehre bekennen sich zu Humanität, Demokratie und den allgemeinen Menschenrechten. Diesen Werten fühlen sie sich auf eine undogmatische Weise verpflichtet. Sie bejahen besonders die Meinungs- und Religionsfreiheit. Sie gestehen jedem Menschen ausdrücklich das freie Selbstbestimmungsrecht und damit das Recht auf einen eigenen Glauben zu. Weiters ist für das Alevitentum die Menschenliebe gleichbedeutend mit der Liebe zu Gott. Deshalb sind Liebe und Toleranz Grundlage unseres Glaubens.

Durch das Fehlen eines fundierten Wissen über die alevitische Theologie sind junge Menschen in ihrem privaten Leben häufig frustriert und orientierungslos als auch manipulierbar für die Propaganda gewisser sunnitisch-salafistisch extremistischer Sekten. Diese nutzen die völlige Ahnungslosigkeit der jungen Menschen über gesellschaftliche Ordnung, Traditionen und Sitten aus und instrumentalisieren ihre Opfer schamlos für die eigenen Zwecke. Daher empfehlen wir aufs dringlichste jegliche Art von Rekrutierungsversuchen energisch abzuwehren. Aufklärung und religiöse Bildung sind ein Schlüssel, um möglichst von vornherein gegen extremistische und gewaltverherrlichende Irrlehren immunisieren zu können.

Wie auch im Interview des IS Terroristen erwähnt, konvertierte er zum Sunnitentum und wurde in einschlägigen Moscheen radikalisiert. Mit seiner Konvertierung und seinem Anschluss an die IS hat er den Alevitischen Glauben abgelegt bzw. ist er nach alevitischer Theologie vom Glauben abgefallen. So sprechen wir für alle alevitische Gemeinden, Bekenntnisgemeinschaften, Dachorganisationen und insbesondere für die Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich, wenn wir uns gegen jeglichen Zusammenhang mit Personen verwehren, die radikalisiert sind und im Namen einer fundamentalisierten, menschenverachtenden Ideologie oder Religion Terror oder sonstige Greueltaten begehen oder begangen haben.

In diesem Sinne wünschen wir, dass in Syrien bald der Krieg endet und Frieden einkehrt, womit auch extremistische Gruppierungen keinen Nährboden mehr fänden.

.

Rückfragen & Kontakt:

Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI)
Riza Sari, Pressesprecher
Tel.: (+43) 0664 133 76 10
Email: riza.sari@aleviten.at