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Opferfest 2021

Ab Heute, den 19. Juli 2021 beginnt das viertägige Opferfest für die Muslime. Das Opferfest ist ein Fest der Liebe, des Teilens, des Friedens und der Versöhnung, mit dem ein Neuanfang gesetzt wird. Wir wünschen uns, dass das Opferfest ein Anlass dazu wird, die Liebe, das Verständnis und die Brüderlichkeit unter den Menschen zu stärken.

In diesem Sinne wünschen wir, als Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI), Ihnen allen ein gesegnetes Fest und Mögen Hak-Muhammed-Ali unsere Bitten erhören und unsere Herzen mit Barmherzigkeit füllen.

WELCHE BEDEUTUNG HAT DAS OPFERFEST?

Das Opferfest ist im Islam, und somit auch im Alevitentum ein Ritus, dass von vielen Menschen praktiziert wird, obwohl es keine Pflicht ist.

Seinen Ursprung als Ritus, so kann man sagen, ist auf den Propheten Abraham (Friede sei mit ihm) zurück zu führen. Ihm wurde von Gott auferlegt, seinen Sohn Ismail zu opfern. Dies war jedoch eine Prüfung für Abraham. Trotz dieser schweren Aufforderung (Ibrahim hat selbst vorher zu Gott gebetet, dass Er ihm einen Sohn schenken möge) hatte Abraham dann doch diese Absicht seinen Sohn Ismail zu opfern. Bevor er tatsächlich Ismail opfern wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass ihm ein Opfertier zukommen wird, um dieses Tier anstelle seines Sohnes zu opfern. Abraham hat diese Prüfung bestanden [Koran, Sure as-Saffat Verse 102-107.]

Der Sinn dieser Begebenheit ist folgender: Es war eine Prüfung, die der Prophet Abraham bestand, wofür er als der Imam seiner Gemeinschaft belohnt wurde. Ibrahim hatte zuvor die Stellung (maqam) eines Gesandten (Resul). Er hat auf etwas verzichtet, nämlich seinen Sohn, nur um der Liebe und der Gehorsamkeit Gottes wegen. Gott zeigt aber, dass Seine Gnade und Barmherzigkeit allgegenwärtig und zuvorkommend ist.

“Qur’bân” bedeutet nicht opfern oder Opfertier, sondern wortwörtlich “Näherung”. Vergleichsweise findet sich das Wort “qur’bân” u.a. in der 46.Sure des Koran “al-Ahqaf” Vers 28: “Warum haben ihnen denn nicht die geholfen, die sich statt Allah zu Göttern genommen haben (und die sie Ihm) nahe bringen (Anm.: qur’bân) wollten?…” “…Sprich: “Ich verlange von euch keinen Lohn dafür, es sei denn die Liebe zu den Verwandten (Anm.:qur’bâ)..” 42.Sure Sura, Vers 23.

Der Kurban-Ritus, sprich das Schlachten und Blutvergießen, ist, so wie Gott selbst im Koran mitteilt, kein Akt der Näherung zu Ihm selbst. Denn nur die Ehrfurcht (Takva) in den Herzen der Gläubigen führt sie zu Gott näher. Der Mensch erkennt, dass alles im Universum und im Leben geschaffene den Menschen “dient”, so wie z.B. der Verzehr des Fleisches von Nutztieren. Der Mensch jedoch wurde erschaffen, um Gott oder wie im Alevitentum benannt: den Geliebten zu erkennen und Ihm zu dienen.

Um das noch treffender zu unterstreichen wird nun ein Auszug aus den Bittgebeten des Imam Zeyn el-Abidin zitiert, welches der Sohn von Hz. Hüseyin an dem Tag des Opferfestes aussprach:

…Oh Allah, unser Herr! Da das Königreich und die Lobpreisung nur Dir gebührt, weil es außer Dir keinen anderen Gott gibt und weil Du der Gnädige und Gütige und Mildtätige bist, weil Du Gaben gibst, weil Du der Erhabene und reichlicher Bewirter bist, weil Du der Schöpfer der Himmel und der Erde ohne jegliche Vormuster bist, so bitte ich Dich darum, wenn Du Segen erteilst, welches unter Deinen gläubigen Dienern Wohlfahrt, Gesundheit, Wohltat, Rechtleitung, Gehorsam, ein Mittel der Fügung welches zu Dir führt, eine Wohlfahrt aus den verschiedenen Wohlfahrten vom Diesseits und vom Jenseits überreichst und die Grade vor Deiner Angesicht erhöhst, so bitte ich Dich darum auch mir einen großzügigen Anteil dessen zu geben….”

Der Mensch soll mit der Opferung eines Nutztieres Gott gedenken, Ihn dafür danken, dass Er den Menschen dieses Glück gab, durch Gottesgaben am Leben bleiben zu können. Darüber hinaus möge derjenige, der ein Tier in Gottgedenken opfert, der Barmherzigkeit, Gnade und der Liebe Gottes bewusst werden und diese Barmherzigkeit anderen Menschen zeigen und spüren lassen, indem man das Fleisch zuerst Armen und Bedürftigen spendet.