Chronik

2009: Antrag auf Anerkennung

Am 23. März 2009 reichte der “Kulturverein der Aleviten in Wien” beim Kultusamt einen Antrag auf Anerkennung als “Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich” ein.

2009: Antrag wurde abgewiesen

Am 25. August 2009 wurde der Antrag des Vereins der Wiener Aleviten zunächst vom Kultusamt abgewiesen. Es erkannte die Selbstzuordnung der Aleviten als “Glaubensrichtung des Islam” zwar an, aber die Begründung für die Ablehnung lautete, dass im Islamgesetz nicht mehrere Religionsgemeinschaften vorgesehen seien.

2009: Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof

Am 7. Oktober 2009 haben die Wiener Aleviten, gegen den Bescheid des Kultusamt, beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) Beschwerde eingebracht.

2010: Verfassungsgerichtshof Entscheidung

Die Wiener Aleviten waren mit ihrer Beschwerde gegen die Ablehnung der staatlichen Anerkennung beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) erfolgreich. “Der Verfassungsgerichtshof hat, am 1. Dezember 2010 entschieden, dass die Vorgangsweise der Bundesministerin nicht der Verfassung entspricht”, lautete das offizielle Statement der Obersten Richter. Nirgendwo in den einschlägigen österreichischen Gesetzen stehe, dass es nur eine einzige islamische Religions- bzw. Bekenntnisgemeinschaft geben dürfe. Im Gegenteil: “Eine solche Ansicht verletzt den Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention (Recht auf Religionsfreiheit).”

2010: Staatlich Anerkannte Bekenntnisgemeinschaft

Als einen wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zur Anerkennung als eigenständige Glaubensgesellschaft feiern die Aleviten in Österreich am 16. Dezember 2010 ihre Zulassung als eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft. Mit dem Bescheid des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur vom 16. Dezember dürfen sich die Aleviten in Österreich - rückwirkend seit 13. Dezember - offiziell als “Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich” (ALEVI) bezeichnen.

2013: Staatlich Anerkannte Religionsgemeinschaft

Mit Dezember 2012 haben wir als ALEVI die nötige Anzahl der Glaubensbekenntnis-Erklärungen erreicht; im April 2013 wurde dann die Überprüfung dieser Erklärungen durch die zuständigen Institutionen abgeschlossen und bekanntgegeben, dass alle Auflagen und Erfordernisse vollkommen erfüllt wurden. Am 8. Mai 2013 endete die Frist für jegliche Einwände. Am 22. Mai 2013 wurde bekanntgegeben, dass die gesetzliche Prozedur des Anerkennungsprozesses erfolgreich abgeschlossen wurde und das Alevitentum in Österreich ab sofort den Status einer anerkannten Religionsgemeinschaft genießt. Die Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI) ist eine seit 22. Mai 2013 in Österreich staatlich anerkannte Religionsgesellschaft und vertritt die Interessen der in Österreich lebenden Aleviten.

2015: Novellierung – Islamgesetz

Das am 25. Februar 2015 im Nationalrat beschlossene bzw. am 31. März 2015 in Kraft getretene Islamgesetz stellt die Rechte und Pflichten der Muslime in Österreich auf eine neue rechtliche Basis. Das bisher geltende Gesetz stammt aus dem Jahr 1912.Das neue Islamgesetz umfasst, entsprechend dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs B1214/09-35 vom 1.Dezember 2010, die Islamische Religionsgemeinschaften (die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) und die Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft (ALEVI)).

2015: Namensänderung der ALEVI

Die Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft (ALEVI) legt mit Schreiben vom 27. Oktober 2015 eine Verfassungsänderung vor. Es wurde der Name der Religionsgemeinschaft auf „Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (kurz: ALEVI)“ geändert.

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GLAUBENSINHALTE DES ANTRAGES

Der Antrag vom 23. März 2009 des Kulturvereins der Aleviten in Wien und die Gründung der „Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI)“ wurde von alevitischen Geistlichen (Dedes und Anas) in Österreich unterstützt.
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BEGRIFFSKLÄRUNG

Der Begriff „Alevi“ leitet sich vom Namen des Heiligen Ali, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed ab und bedeutet demnach Anhänger Alis.

Das Alevitentum ist eine islamische Glaubensrichtung. Es bezeichnet die Islamauffassung, die im Rat der Vierzigen gereift ist, durch die zwölf Imame weiterentwickelt wurde und sich von der Auffassung des Verstandes des Imam Cafer-i Sadık führen lässt. Frauen und Männer nehmen ohne räumliche Trennung gleichberechtigt am Gottesdienst teil.

Der Gottesdienst umfasst Gebet und Auslegung durch Geistliche sowie den Tanz der Gläubigen (Semah) mit musikalischer Begleitung durch das Saiteninstrument Saz.

Nach dem islamisch alevitischen Glauben kommt der Mensch mit einer unreifen Seele (ham ervah) auf die Welt, er soll sich zu einem reifen, vollkommenen Menschen (insan-ı kâmil) weiterentwickeln, nur so kann er zu seinem Urwesen zurückkehren. Zu seiner Reifung, Vervollkommnung muss sich der Einzelne vor einem Wegweiser (mürşid), Primus (pîr) und Betreuer (rehber) zu seinem Glauben bekennen (ikrar) und die Vier Pforten (Dört Kapı) und Vierzig Stufen (Kırk Makam) passieren. Ort der Glaubenspraxis der Aleviten ist das Cemhaus (Cemevi).
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RECHTSSTATUS DER ALEVITEN IN ÖSTERREICH

Die Österreichischen Aleviten konnten sich am 22. Mai 2013 über ihre Anerkennung freuen, welche mit einer Vielzahl von Rechten verbunden ist bzw. welche den Weg zu etlichen Rechten geebnet hat. Dieser historische Status, einzigartig auf der Welt, wird hoffentlich beispielgebend sein sowohl für die Türkei als auch für andere Staaten mit alevitischem Bevölkerungsanteil.

Wir, als die ALEVI, sind für die in Österreich lebenden Aleviten in Sachen der religiösen Rechte die rechtliche und einzig legitimierte Vertretung.

Vertretung der AlevitenInnen nun durch ALEVI

Bisher waren auch die Aleviten, die als Religionsbekenntnis Islam eingetragen hatten, durch die „Sunnitische“ Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) vertreten, da die IGGiÖ als alleinige Vertretung des gesamten Islam in Österreich fungierte.

Das hat sich mit dem 22. Mai 2013 geändert: Nun vertritt die Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI) die Interessen der in Österreich lebenden Alevitinnen und Aleviten.

Cem-Gebetshaus der Aleviten hat jetzt einen Rechtsstatus

Die Cem-Gebetshäuser wurden als Orte der Religionsausübung anerkannt, somit sind sie Kirchen, Synagogen und Moscheen gleichgestellt und werden ebenso staatlich geschützt wie die anderen Gotteshäuser auch.

Alevitischen Friedhof

An jene Orte, wo es uns zu Lebzeiten nicht hinverschlagen hat, mussten wir hin, wenn einer aus unserer Mitte „zu Gott gegangen“ (sprich gestorben) war. Um unsere Menschen zu beerdigen, mussten wir uns an die Sunnitische Islamische Gemeinde wenden und einen Beleg ausstellen lassen, dass der oder die Verstorbene zum Islam gehörte. Ohne diesen Beleg war es unmöglich, auf dem Muslimischen Friedhof beerdigt zu werden.

Dort, wo wir uns zu Lebzeiten aufhielten, sollten wir auch im Sterbefall sein. Nach langen Verhandlungen war es am 11. April 2011 soweit: Die Wiener Aleviten erwarben ihren eigenen „Alevitischen Friedhof“. Sie können nun ihre letzte Pflicht gegenüber den Verstorbenen in ihrem eigenen Friedhof erfüllen- ohne auf andere und deren Güte angewiesen zu sein.

Alevitische Feiertage in den Schulen

Alevitische Kinder, die in Österreich in die Schule gehen, können an religiösen Festtagen, wie dem Opferfest, Gadir Hum, dem Ashura-Tag (am Ende der 12-tägigen Fastenzeit zu Ehren an die 12 Imame), Hizir-Fest bzw. dem Nevruz-Fest schulfrei bekommen.

Religionsbekenntnis als ALEVI im Schulzeugnisse

Alevitische Schülerinnen und Schüler, die sich eine Bestätigung/einen Beleg von einem befugten Vertreter der ALEVI ausstellen lassen, können in ihren Zeugnissen als Religionsbekenntnis ALEVI eintragen lassen.

Jene, die sich als ALEVI registriert haben, brauchen sich nicht mehr alljährlich zu Schulbeginn von anderen Religionsunterrichten (sunnitischer Islam-Unterricht) abzumelden und es besteht kein Zwang, daran teilzunehmen. Von diesem Recht haben etliche unserer Kinder Gebrauch gemacht.

Mit der Anerkennung hat die ALEVI das Recht in den öffentlichen Schulen in Österreich Religionsunterricht zu erteilen.

Die ALEVI ist für alle Landeschulräte, Bezirksschulräte und für alle öffentlichen und privaten Schulen in Sachen Alevitischer Religionsunterricht die rechtliche legitimierte religiöse Vertretung.

DENN FÜR UNS IST DIENST AM NÄCHSTEN DIENST AN GOTT !