Erwartungen an den Staat

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Das Islamgesetz 2015 bietet insgesamt mehr Rechtssicherheit und fördert somit auch die Integration aller Alevitinnen und Aleviten. Es stellt einen Meilenstein für das Alevitentum in Österreich dar, da das Gesetz nicht nur die alevitische und die sunnitische Glaubensgemeinschaft vereint, sondern – dort wo erforderlich – auch auf die Besonderheiten und Unterschiede der beiden Glaubensgemeinschaften eingeht. Denn Unterschiede anzuerkennen ermöglicht erst das Gemeinsame zu entdecken.

Die ALEVI ist eine neue anerkannte Religionsgesellschaft und führt im Moment ein Aufbau ihrer Organisation und Struktur durch um unsere Pflichten gerecht zu werden. Gemeinsam mit den anderen Religionsgemeinschaften möchten wir als ALEVI unsere Verantwortung für die Gesellschaft wahrnehmen und unsere Werte in diese einbringen. Oberstes Anliegen ist es, Alevitischen Glauben zeitgemäß und verständlich zu vermitteln und zu zeigen, dass er das Leben und Zusammenleben von Menschen in Österreich zum Gutenverändert.

Dialog und Zusammenarbeit zwischen Staat und Religionsgemeinschaften

Die in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften und der Staat sollen künftig noch enger zusammenarbeiten, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land zu stärken und sich zugleich weltweit für mehr Religionsfreiheit einzusetzen.

Eintrag des Religionsbekenntnisses auf Schulzeugnissen

Alevitischer Schülerinnen und Schüler waren/sind unter „Islam“ zusammengefasst, da es keine andere Auswahlmöglichkeit für sie gab. Nun können die Schülerinnen und Schüler ihr Religionsbekenntnis in „Alevi“ umändern lassen. Die islamische Glaubensgemeinschaften, welche in Österreich staatlich anerkannt sind, verwenden folgende Kurzbezeichnung ihres Glaubens:

Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich : ALEVI
Islamische-Schiitische Glaubensgemeinschaft in Österreich : schia
Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich : Islam.

Um eine bessere Klarstellung bzw. Aufklärung innerhalb der Islamischen Religionsgemeinschaften ermöglichen zu können soll keiner der islamischen Religionsgemeinschaften die Kurzbezeichnung „Islam.“ Vertreten. Dem Prinzip der Konfessionalität zu Folge dürfte keine der islamischen Religionsgemeinschaften die Kurzbezeichnung „Islam“ führen, wie dies auch im christlichen Bereich nicht getan wird.

Die Einschränkungen sind notwendig, um Verwechslungen mit anderen Gemeinschaften zu verhindern bzw. eine allgemeine Bezeichnung als „islam.“ oder „islamisch“ oä. wird dabei nicht ausreichend sein, da es sich um einen Überbegriff handelt. Einen allgemeinen allumfassenden Vertretungsanspruch für alle Anhänger des Islam gibt es seit dem Erkenntnis VfGH B 1214/09 nicht mehr. Wir sehen daher, einen Verbesserungsbedarf des Bildungssystems vor.

Islamgesetz 2015: Unter Abschnitt 2 – Paragraph 6 – Absatz 1 ist wie folgt definiert:

„Name und Kurzbezeichnung, wobei die Religionsgesellschaft klar erkennbar und eine Verwechslung mit anderen Kirchen oder Religionsgesellschaften, Vereinen, Einrichtungen oder anderen Rechtsformen ausgeschlossen sein muss.“

Mit der Anerkennung hat sich Österreich zu einem weltweiten Vorreiter etabliert und somit das Heimatsgefühl der in Österreich lebenden Alevitinnen und Aleviten sehr verstärkt. Insbesondere die Türkei sollte diesem Vorbild folgen und den ca. 12 bis 20 Millionen in der Türkei lebenden Alevitinnen und Aleviten ebenfalls ihre Rechte einräumen. Damit würde sie einen Schritt Richtung Demokratie machen.