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Erstmals alevitischer Religionsunterricht in Vorarlberg (VN, 15.04.2015)

Seit 2013 sind die Aleviten eine anerkannte Glaubensgemeinschaft in Österreich. Damit dürfen sie auch ihren eigenen Religionsunterricht abhalten. Die erste Schule mit alevitischem Religionsunterricht ist die Volksschule Markt in Hard.

Hard, 15.04.2015

“Das ist ein historisches Ereignis”

Erstmals ist jetzt auch der Religionsunterricht für alevitische Schüler möglich.

 

Karin Dorner kommt mit einem bunten Frühlingsstrauß, den sie schwungvoll auf dem von Kindern bevölkerten Tisch platziert. Die Direktorin der Volksschule Markt in Hard will es den Mädchen und Buben so angenehm wie möglich machen. „Es soll ein feiner Platz für euch alle sein“, meint sie an die Schüler gerichtet. Mitten unter dem Schuljahr zusätzlich Platz zu schaffen, sei allerdings nicht leicht gewesen. Deshalb muss vorläufig der Werkraum als Religionsraum für jene Schüler dienen, die alevitischen Glaubens sind. Doch das stört niemanden. Im Gegenteil.

Özgür Erdogan, Mitglied des Bundesvorstands der Islamischen Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, spricht sogar von einem historischen Ereignis, denn mit der staatlichen Anerkennung als Religionsgemeinschaft ist auch das Recht auf Durchführung eines alevitischen Religionsunterrichts verbunden. In der Volksschule Hard-Markt startete im März die erste Klasse. Gestern fand die rituelle Eröffnungsfeier statt.

Großes Interesse

Österreich ist weltweit das bislang einzige Land, das die Alevi offiziell anerkannt hat. „In der Türkei, wo es schätzungsweise 20 Millionen Aleviten gibt, sind wir nicht anerkannt“, zieht Özgür Erdogan einen bitteren Vergleich und spricht von Österreich als „unserer neuen Heimat“. Rund 80.000 Aleviten leben hier. Für Vorarlberg wird ihre Zahl mit etwa 9000 angegeben. Nach der Anerkennung 2013 wurde mit der Ausbildung von Religionslehrern begonnen.

An der Volksschule Hard-Markt übernahm Durdane Yildiz den Religionsunterricht. „Fünf Kinder waren es zuerst, mittlerweile sind es schon elf“, freut sie sich mit Karin Dorner über das große Interesse. Als vom Land die Anfrage nach einer Möglichkeit für den alevitischen Religionsunterricht kam, fackelte die Schulleiterin nicht lange. „Ich will allen die Chance geben“, erklärt sie kurz und bündig. Schließlich gebe es an der Schule auch für die islamischen, katholischen, evangelischen und orthodoxen Schüler einen Religionsunterricht. So wird der schön geschmückte und helle Werkraum am Mittwochnachmittag eben zum Religionsraum für die alevitischen Volksschüler.

Die Aleviten bilden eine eigenständige Glaubensgemeinschaft innerhalb des Islam. Sie bekennen sich zu Gott, dem Propheten Muhammed und dem heiligen Ali. Die Verehrung der zwölf Imame und die Beachtung ihrer Lehre gehört gleichermaßen zu den Glaubensgrundlagen wie die Anerkennung sämtlicher Menschen als gleich. Diese Gleichachtung birgt auch die Gleichberechtigung der Geschlechter in sich.

„Uns sind Dialog und gegenseitiger Respekt sehr wichtig“, sagt Özgür Erdogan. Im Rahmen des Religionsunterrichts soll der Glaube in Frieden weitergegeben werden. Bürgermeister Harald Köhlmeier betonte das tolerante und respektvolle Miteinander der Kulturen, das im politischen Hard gepflegt wird. Der Religionsunterricht sei ein weiterer Schritt dazu. „Möge unsere Zusammenkunft lange währen und die Freundschaft ewig dauern“, zitierte Erdogan zum Schluss aus Gebeten.

Quelle: Vorarlberger Nachrichten-mm