An den Volksschulen Wörgl 1 und 2 beginnt Unterricht für Kinder mit alevitischem Glauben. Damit erweitert die Schule ihr vielfältiges Religionsangebot, das bereits römisch-katholische, evangelische, orthodoxe und islamisch-Sunnitische Gruppen umfasst. Die Aufnahme des alevitischen Unterrichts unterstreicht das Engagement der Schulen für kulturelle und religiöse Vielfalt sowie ein respektvolles Miteinander.
Die erste Unterrichtsstunde wurde mit einer „Einführungsveranstaltung zum Unterricht“ eröffnet. An der Feierstunde am 20. Februar 2026 nahmen neben den Schulleiterinnen Claudia Göhly und Reinhard Angerer und den alevitischen Religionslehrerinnen Perihan Arslaner und Sultan Koc auch der Vizebürgermeister von Wörgl, Kayahan Kaya, die Bildungsreferentin Elisabeth Werlberger, Dede (alevitischer Geistlicher) Ali Erdem, Saz-Spieler Volkan Koştu, Fachinspektor für den alevitischen Religionsunterricht in Tirol, Özgür Erdogan, sowie die Eltern der Schülerinnen teil.
Im Programm hielt der alevitische Geistliche Ali Erdem Dede eine Rede, entzündete anschließend das Çerağ-Licht, und Volkan Koştu trug ein religiöses Lied (Deyiş) vor. In seiner Ansprache erklärte Ali Erdem Dede: „Österreich ist weltweit das einzige Land, das die Aleviten auf staatlicher Ebene anerkennt. Umso mehr ist die Einführung des alevitischen Religionsunterrichts in Wörgl für uns ein wichtiges Ereignis. Toleranz und Einvernehmen sind unsere höchsten Grundsätze. Es gibt keine Zukunft ohne die Kenntnis der eigenen Vergangenheit, daher ist es besonders wichtig, dass Kinder der alevitischen Glaubensgemeinschaft die Möglichkeit haben, diesen Religionsunterricht zu besuchen. Wir danken den Schulleitungen für ihre Unterstützung und wünschen den Lehrkräften des alevitischen Unterrichts viel Erfolg bei ihrer wichtigen Arbeit.“
Auch die Schulleiter*innen Claudia Göhly und Reinhard Angerer, der stellvertretende Bürgermeister Kayahan Kaya sowie Bildungsreferentin Elisabeth Werlberger teilten ihre Gedanken zur Bedeutung von Bildung und zum Beitrag von Glaubensgemeinschaften für eine Gesellschaft in Frieden, Liebe und Toleranz. Claudia Göhly und Reinhard Angerer betonten gemeinsam die Wichtigkeit, dass Kinder unterschiedliche Glaubensrichtungen kennenlernen, um Empathie und Toleranz zu entwickeln. Zudem stärkt die Integration von religionsbezogenem Unterricht in der Schule den gesellschaftlichen Frieden und die Kultur des Miteinanders. Bildungsreferentin Elisabeth Werlberger unterstrich die Bedeutung von Bildung für den interreligiösen Dialog.
Vizebürgermeister Kayahan Kaya begrüßte den Start des alevitischen Religionsunterrichts an der Volksschule Wörgl und äußerte seine Freude darüber, dass im Rahmen der in Wörgl gegründeten „Interreligiösen Dialog“-Gruppe die alevitische Glaubensgemeinschaft die Lehrkräfte des Unterrichts kennenlernen konnte und dieser Prozess zu solch positiven Ergebnissen geführt hat. Er sagte: „Es ist wertvoll für unsere Gesellschaft, dass diese Begegnungen so schöne Ergebnisse erzielen.“
Wir danken unseren Lehrerinnen Perihan Arslaner und Sultan Koc sowie allen Schüler*innen und Eltern und wünschen diesem bedeutenden Schritt viel Erfolg. Möge der Segen von Hak-Muhammed-Ali über euch sein, und möge Hızır euer Wegbegleiter sein.
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KURZ ÜBER ALEVI
Die Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI) ist eine seit 22. Mai 2013 in Österreich staatlich anerkannte Religionsgesellschaft. Die ALEVI vertritt und repräsentiert den Alevitischen Glauben in Österreich und stellt somit das Sprachrohr der in Österreich ansässigen Alevitinnen und Aleviten dar. Mit der staatlichen Anerkennung der Alevitinnen und Aleviten hat sich Österreich zu einem weltweiten Vorreiter etabliert.
Die Erteilung der Alevitischen Religionsunterrichtes in Österreich obliegt ausschließlich der ALEVI. Sie ist daher für alle Bildungsdirektionen und für alle öffentlichen und privaten Schulen in Sachen Alevitischer Religionsunterricht die rechtlich einzig legitimierte religiöse Vertretung. Das Schulamt ist die dafür zuständige Abteilung innerhalb der Alevitischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (ALEVI).
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Fotos: ALEVI & VS-Wörgl



